Hamburger Polo Club: DPV-Mitgliedschaft soll ruhen
In einer Art offenem Brief, der seit diesem Wochenende in Polokreisen zirkuliert, teilte der Obmann des Hamburger Polo Clubs (HPC), Dr. Diedrich Haesen, dem DPV-Präsidium mit, dass der HPC seine Mitgliedschaft im Deutschen Poloverband mit sofortiger Wirkung ruhen lässt. Als Grund hierzu führt Dr. Haesen einen in der aktuellen Ausgabe der PACE erschienenen Artikel über die DPV-Mitgliederversammlung vom 10. Oktober an. In seinem Schreiben wirft der Obmann des HPC namentlich nicht bezeichneten „Handlangern“ aus der Mitgliedschaft vor, Redakteuren der PACE falsche Informationen zum Nachteil der Familie Winter zugespielt zu haben. Der DPV wird darin ultimativ aufgefordert, per Rundschreiben die „Unwahrheiten, Unterstellungen, Beleidigungen und Rufschädigungen“ richtig zu stellen und die Betroffenen so zu „rehabilitieren“, damit diese nicht selbst zu den “bekannten Rechtsmitteln” greifen müßten. Zur PACE selbst wird festgestellt, dass sich deren Redakteure durch mangelnde journalistische Sorgfalt selbst „disqualifiziert“ hätten und nunmehr „unerwünschte Personen“ im HPC seien.
Der vom HPC für den DPV gesehene Handlungsbedarf ist wenig einleuchtend: Entweder haben tatsächlich Versammlungsteilnehmer die PACE falsch informiert, dann liegt kein Verstoß gegen die journalistische Sorgfalt vor. Oder aber es gab gar keine Falschinformationen und PACE hat sich alles nur ausgedacht: Dann hätte der DPV mit der Sache nichts zu tun, und das Rückzugsgefecht gegen die Fakten der Abstimmung, die den Ambitionen von Klaus Winter eine klare Absage erteilt hat, bliebe das, was es ist: Privatangelegenheit der Familie Winter.
Auf eine gewisse Geringschätzung demokratischer Prozesse im selben Zusammenhang deuten allerdings auch Äußerungen von Sohn Christopher „Niffy“ Winter hin, der an anderer Stelle zum Ausgang der Wahl mit den Worten zitiert wird: „Mein Vater hat jetzt die längste Zeit dem DPV gedient und wird nicht einmal würdig verabschiedet. Und das von einem herbeigeeilten Haufen von ausgesuchten Personen, die gar nicht wissen, was sie getan haben“. Wie der „herbeigeeilte Haufen“ – gemeint sind die DPV-Mitglieder, die aus Pflichtgefühl und Verantwortung für den Polosport den Weg zur Mitgliederversammlung gefunden haben – die Forderungen des HPC einschließlich der geplanten Einschränkung der Pressefreiheit bewertet, wird sich noch zeigen.
Ob nun als Reaktion auf den offenen Brief oder reiner Zufall: Heute erreichte die Redaktion eine schriftliche Bitte des Präsidiums, die wichtigsten Punkte aus dem Protokoll der DPV-Präsidiumssitzung vom 11. November in Berlin durch Veröffentlichung bekannt zu machen, da sich – so das Präsidium – nicht alle die Mühe machen würden, die Protokolle auf der DPV-Website nachzulesen. Im Protokoll selber heißt es unter anderem: „Die ausführliche Schilderung der Vorgänge vor und in der Mitgliederversammlung am 11. Oktober 2009 durch das Polomagazin PACE wird vom Präsidium bedauert und als nicht sehr hilfreich bewertet. Wir werden größtmögliche Neutralität gegenüber den zwei bestehenden Polo Magazinen bewahren und beide mit den gleichen Informationen bedienen“. Hier zum Protokoll
Nun gibt es zwar nicht zwei, sondern drei Polomagazine in Deutschland, und über die Bedeutung einer „größtmöglichen Neutralität“ könnte man sicher auch trefflich streiten wenn man bedenkt, dass eines der beiden anderen Magazine den Titel „Offizielles Magazin des DPV“ trägt und den DPV-Vizepräsidenten im Impressum führt, aber wichtig ist vor allem Folgendes: Aufgabe der Presse und Grundstein ihrer Rolle in einer Demokratie ist nicht Hofberichterstattung, sondern die umfassende Information über alle wesentlichen Vorgänge und die dadurch erst ermöglichte, freie geistige Auseinandersetzung und Meinungsbildung. So ist es denn auch beispielsweise ganz selbstverständlich, dass die Medien aktuell die Vorgänge um die mutmaßlichen Spiel- und Wettmanipulationen im Fußball energisch aufgreifen und nach Kräften aufklären – ob nun der Deutsche Fußball Bund (DFB) diese Arbeit als „hilfreich“ betrachtet oder nicht, ist dabei ganz und gar gleichgültig. Eine turbulente Mitgliederversammlung und Vorstandswahl publizistisch zu ignorieren hieße daher, diese grundgesetzlich geschützte und auch geforderte Aufgabe der Presse nicht ernst zu nehmen und das Recht der Öffentlichkeit auf umfassende Information mit Füssen zu treten. Und das, liebe Leser, hat PACE nicht vor.









