6. September 2008Um Haaresbreite
Gegen eine Handicapvorgabe von eineinhalb Toren für Belgien führte Teamcaptain Christopher Kirsch heute die deutsche Nationalmannschaft in ihr erstes Gruppenspiel. Das war ein Nachteil. Dann wurde offenkundig, dass die Belgier deutlich besser beritten waren. Das war ein weiterer Nachteil. Und dann zeigte sich noch, gleich zu Beginn des zweiten Chukkas, welche Devise die belgische Nummer 3, Scapa-CEO Michael Redding, an sein Team ausgegeben hatte: „Wir haben realisiert, dass wir mit einem reinen Angriffsspiel nicht weit kommen können. Daher haben wir uns entschieden, unseren Torvorsprung sinnvoll zu nutzen und nach Möglichkeit den deutschen Angriff bereits im Ansatz abzuwürgen“, so Redding im PACE-Interview.
Und diese Taktik des belgischen Teams war Nachteil Nummer 3 für das Team Deutschland, denn um Haaresbreite wäre dieser Plan voll aufgegangen. Peter Holsbeek, Gery de Cloedt, Michael Redding und Fernando Morando vermochten es über den Großteil der Spielzeit, fast jeden Spielzug des deutschen Sturms zu durchkreuzen, bevor Max Bosch auch nur gestartet war. Sehr schwer hatte es auch Eva Brühl, die sich kaum einmal von ihren Bewachern lösen konnte: Ob Gery de Cloedt oder Michael Redding – einer der beiden klebte stets an der Flanke der besten deutschen Spielerin.

© Beate Zoellner – Eva Brühl, bedrängt von Michael Redding
Das Match war insofern ein Schulbeispiel dafür, wie ein defensiv disponiertes Team mit einigen guten Pferden durch planvolles und konsequentes Abreiten auch stärkere Gegner über weite Strecken effektiv kaltstellen kann. So gelangen dem deutschen Team bis kurz vor Schluss lediglich zwei Tore – beide durch Christopher Kirsch, und ein aus deutscher Sicht sehr unerfreulicher Auftakt dieser EM geriet in den Bereich des Möglichen.
Doch dann passierte das, was jedes auf „Ergebnis halten“ spielende Team einkalkulieren muss: Ein Moment der Unübersichtlichkeit, ein extrem schnell berittener Spieler bricht durch, ist sofort weg und verwandelt. Mit einem denkbar knappen 3:2½, erzielt von Verteidiger Marco Kiesel zwei Sekunden vor der Schlussglocke des letzten Chukka, gewinnt Deutschland sein Auftaktspiel. Rieseneinsatz auf beiden Seiten, Riesenfreude bei den Deutschen, und eine entsprechend große Enttäuschung auf Seiten der Belgier, die PACE erst nach einem Teamtablett eisgekühlten König Pilsener zum Interview bewegen konnte.

© Beate Zoellner – Team Deutschland nach dem Sieg
Die erste Begegnung dieses Tages zwischen Holland und dem amtierenden Europameister Italien endete mit 6:6. Dabei gelang dem Holländer Edward de Kroes der Ausgleichstreffer ebenfalls nur zwei Sekunden bevor die letzte Chukkaglocke ertönte. Rechnerisch ein Unentschieden, moralisch ein klarer Sieg für die Holländer, die gleich in ihrem ersten Spiel gegen einen der Favoriten dieser EM antreten mussten und sich mehr als tapfer schlugen.

Michael Redding und PACE-Chefredakteurin Annika Urbat
Der morgige dritte Spieltag verwöhnt mit gleich vier Begegnungen in Serie. Beginnend um 13 Uhr trifft zuerst Deutschland auf Österreich, die sich nach der Pleite gegen die übermächtigen Franzosen einiges vorgenommen haben. Dann folgen die Begegnungen Belgien – Frankreich, England – Holland und Schweiz – Italien.
Rolex European Polo Championship
- Zweiter Spieltag, 6. September 2008 -
2. Spiel Gruppe B
Italien vs. Niederlande 6:6
2. Spiel Gruppe A
Deutschland vs. Belgien 3:2½


